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Der einzige Weg sich zu öffnen…

… ohne sich selbst zu verlieren. Ein Plädoyer GEGEN Grenzenlosigkeit. 

 

      Großzügigkeit, Großmut, offenherzig sein, sich für andere öffnen, bereit sein zu geben… das sind Eigenschaften und Charakterzüge, die wir alle erstrebenswert finden, mit denen wir groß werden und die als edel betrachtet werden. Große Weltreligionen wie der Buddhismus scheinen dies genauso zu predigen. Wir bewundern Menschen, die dieses scheinbar mühelos umsetzen.

Wir wollen, dass unsere Kinder so groß werden. Dass sie ein Gefühl dafür bekommen, das letzte Stück Kuchen lieber dem anderen anbieten zu wollen, als es sich ganz egoistisch selbst zu nehmen. Damit verbinden wir Güte. Und damit verbinden wir Liebenswürdigkeit. Und genau so wollen wir sein, das trifft es auf den Punkt. Wir wollen uns selbst als liebenswürdig empfinden.

Und damit fängt die Herausforderung an. Denn einen wichtigen Aspekt, der hier mit reinspielen muss, übersehen die meisten. Und die allermeisten von uns sind auch mit diesem nicht groß geworden.

Es geht dabei um die Fähigkeit, Grenzen zu setzen.

 

UNTERSUCHUNGEN BELEGEN ES

Soziologen und Psychologen in den USA haben Menschen untersucht, die aufrichtig und mit sich selbst und ihrem Umfeld im Reinen durchs Leben gehen. Es sind Menschen, die bereit sind zu geben. Von sich aus, ohne dafür erst einmal etwas zu bekommen. Es sind Menschen, die offen sind für andere, die sich für sie und ihre Bedürfnisse interessieren und diese auch im Rahmen ihrer Möglichkeiten versuchen zu erfüllen. Es sind keine Menschen, die etwas erfüllen oder tun, weil sie damit das Gefühl der Zugehörigkeit, des Selbstwertes oder der Liebenswürdigkeit zurückbekommen wollen. Es sind keine Menschen, die dem anderen gegenübertreten und signalisieren: ich gebe dir alles, keine Sorge, alles ist gut, ich werde mich schon darum kümmern, hab mich nur dafür lieb.

Genau das ist bestimmt der meistgesagteste Spruch meines Lebens: keine Sorge, alles ist gut. Und ich bin mir sicher, die meisten Menschen kennen das so oder so ähnlich. Kaum einer fragt sich, ob er nicht lieber auch das letzte Stück Kuchen haben möchte. Oder in einer anderen Situation: die allermeisten spüren erst danach, wenn jemand anderes bei ihnen eine Grenze überschritten hat.  Wir erkaufen uns damit ein Gefühl des Angenommen-Werdens und der positiven Selbstwertung.

 

BESTÄTIGUNG – AUCH HIER EIN GROßES HINDERNIS

Durch meine Selbstständigkeit musste ich lernen, meine Grenzen in diesem Bereich zu spüren und durchzusetzen, weil diese gleichzeitig mit meiner finanziellen Lage, als auch einem Gefühl der Wertschätzung verbunden waren. Noch heute lese ich in Foren, dass andere Lehrer unsicher fragen, ob sie etwas Bestimmtes dürften, ob es okay sei, die 10er-Karte nicht noch einmal zu verlängern oder das Geld eben nicht zurück zu geben. Wir brauchen allzu leicht die Rückmeldung von außen, um Grenzen setzen zu dürfen, um uns selbst zu bestätigen. Doch das kann nicht der Weg sein.

 


DIE SUCHE NACH ÄUßERER BESTÄTIGUNG STEHT DEM ERSPÜREN DEINER

INNEREN GRENZEN IM WEG.


AUTHENTIZITÄT

Soziologen haben festgestellt, dass Menschen, die ihre Großzügigkeit und Offenheit eben nicht nutzen, um damit im Innern etwas zu kompensieren, etwas ganz Wichtiges können. Sie haben für sich verstanden, dass es keine bedingungslose Offenheit geben kann. Es geht nicht, ohne selbst eigene Grenzen zu setzen. Sie wissen genau, bis hierhin und nicht weiter. Sie kennen ihre Grenzen, die sie in sich wahrnehmen, stehen zu ihnen, ohne sie zu hinterfragen, brauchen vom Außen keine Bestätigung und halten auch dann noch an ihnen fest, wenn sie auf Widerstände stoßen sollten.

 


BEDINGUNGSLOSE OFFENHEIT OHNE GRENZSETZUNG KANN ES NICHT GEBEN.

NICHT, OHNE UNS SELBST ZU SCHADEN.


 

PRÄGUNGEN

Wir sind anders groß geworden. Die heutige Erwachsenenwelt sieht sich häufig mit Eltern konfrontiert, die nicht die Möglichkeiten oder Fähigkeiten besaßen, ihnen in der Kindheit zu signalisieren: Ich nehme deine Grenze wahr, ich helfe dir dabei, diese zu spüren, ich verteidige sie mit dir und zeige dir, wie es geht. Denn das brauchst du für dein Leben.

 

ES FÄNGT IM KLEINEN AN

Und dabei geht es nicht nur um die großen Grenzen. Es fängt schon bei kleinen an, die sich zu einer großen, quasi uns erschlagenden und erstickenden Grenze summieren können. Es geht darum, diese kleinen Grenzen zu erspüren. Und da fängt unsere Arbeit an. Achtsamkeit, wahrnehmen, ob etwas okay ist oder nicht.

Ich saß einmal in der S-Bahn nach Frankfurt und neben mich hat sich ein alter Mann gesetzt. Ich war in ein Buch vertieft. Er hatte sich schon ziemlich nah an mich gesetzt, sein Oberschenkel berührte meinen. Er war sehr einnehmend. Er fing an, mit mir zu reden, ignorierte meine Körpersignale und mein Entgegnen: „Ich muss dieses Buch noch fertig bekommen.“ Schon alleine das „muss“ in meinem Satz hat gezeigt, dass ich meinem Empfinden keinen Wert zugemessen habe. Ein alter Mann – den kann ich doch nicht zurückweisen. Wie viele von uns befanden sich schon in ähnlichen, wenn auch körperlich weniger übergriffigen Situationen, indem wir dem Fremden gegenüber nicht sagen konnten, wir wollen uns jetzt nicht unterhalten? Der Mann kam noch näher, er wurde noch zudringlicher, irgendwann lag seine Hand auf mir, er hat gelacht … der Moment der Grenzüberschreitung hat nicht da angefangen, als er im Großen aufdringlich wurde. Etwas, das viele vielleicht noch – eher als ich damals – leicht hätten abwehren können. Schon das zu nah neben mich setzen war für mich die erste Grenze, die zweite war es, mich trotz Widerspruch in ein Gespräch zu verwickeln. Doch ich spürte sie nicht und hätte es erst recht nicht gewagt, diese einzufordern. Alles andere danach hat sich hierauf aufgebaut, und mich erschlagen.

Die Grenzen zu spüren, das ist Schritt Eins. Als Schritt Zwei gilt es, diese anzuerkennen und zu wahren. Als Schritt Drei diese nach außen zu kommunizieren und sie gegebenenfalls einzufordern.

 


KLEINE, KAUM WAHRNEHMBARE GRENZEN SUMMIEREN SICH

ZU GROßEN, UNS ERSCHLAGENDEN.


 

Der Glaubenssatz, grenzenlos geben zu müssen, steht uns hier gewaltig im Weg.

 

WAS IM KÖRPER PASSIERT

Grenzüberschreitungen schaffen eine Anspannung im Körper, physisch wie mental. Ob ich es bei mir tue oder jemand anderes. Aus der Körperarbeit kennen wir das schon lange. Gehe ich zu weit bei der Belastung, sei es bei einer Dehnung oder bei der Aktivierung eines oder verschiedener Muskeln, signalisieren Rezeptoren meinem Gehirn, es geht zu weit, es könnte Gefahr bzw. eine Verletzung drohen. Und unser Gehirn macht genau das Richtige, es sichert den Bereich ab, indem es den Muskel verschließt, ihn verspannt bzw. extrem anspannt, etwas, was dann später noch über Tage anhalten kann.

Mental ist das nicht anders. Auch hier schützen wir uns selbst, indem unser Körper sich irgendwo verschließt, sich verspannt. Viele Dinge in meiner Kindheit glichen einer permanenten Grenzüberschreitung, körperlich als auch psychisch. Erst mit Anfang 20 und in meinen ersten Yogastunden habe ich wirklich gemerkt, dass etwas nicht stimmt. Ich war hart, mein Körper war hart, ich konnte ihn nicht mehr spüren. Mein Weg ist es seither, wieder weicher zu werden, mich wahrzunehmen, meine Gefühle differenzieren und diese im Körper erspüren zu können. Und eben genau das, was dazugehört: Meine eigenen Grenzen wahrnehmen zu können. Auch wenn sie noch so subtil sind.

Rückbeugen im Yoga stehen dafür, sich für etwas zu öffnen. Doch auch diese Positionen kann ich nicht machen, wenn ich nicht bestimmte Bereiche dafür anspanne, um mich zu schützen. Ich muss meinem Körper eine Grenze setzen, damit er nicht zu weit geht. So weit, dass er sich verletzen könnte.

 

DIREKT AN DER WURZEL

Daran, Grenzen wahrzunehmen und vor allem daran, diese dann auch zu kommunizieren und einzufordern, hängt noch ein ganz anderes, essentielles Thema: SELBSTWERT. Sich selbst den Wert zuzugestehen, dass Menschen im eigenen Umfeld Grenzen wahren, sich aber auch selbst den Wert zuzugestehen, Grenzen zu spüren und diese dann einfordern zu dürfen.

 


OHNE GRENZEN KEIN SELBSTWERT.


 

Meditation und Achtsamkeit sind Wege dahin, sich selbst wahrnehmen und das Umfeld und Situationen klarer erkennen und beurteilen zu können. Aus dieser ganz anderen Ausgangssituation heraus können wir dann auch wieder offen sein, großzügig und großmütig. Dann können wir authentisch sein. Wenn ich dir jetzt das letzte Stück Kuchen anbieten sollte, weißt du, dass es von Herzen kommt. Nicht aus irgendeiner Konvention heraus.

 

 

 


 

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   Dani arbeitet seit Jahren mit Menschen, die sich selbst in irgend einer Art und Weise verloren haben und wieder neu spüren wollen. Sie unterrichtet Yoga und Meditation und arbeitet als Trainerin im Bereich Stressmanagement. Dabei spielt nicht nur ihr wissenschaftlicher Hintergrund eine besondere Rolle, der ihr bei der Herangehensweise an  

diese Themen sehr wichtig ist. Sie setzt auch das um, was sie auf ihrem eigenen Weg erfahren durfte. Authentizität, in die Stille gehen und Persönlichkeitsentwicklung sind dabei ihre Hauptanliegen. Sich dem Leben voll und ganz stellen, auch wenn wir ihm manchmal gerne den Rücken zukehren wollen. 

 

 

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Dani